Man sucht eine bestimmte Seite auf einer Website, klickt sich durch drei Menüs, landet in einem leeren Bereich und geht wieder zurück. Das passiert schnell, sobald eine Website mehr als zehn Seiten hat und ihre Struktur wenig Orientierung bietet. Ein Websiteplan, auch Sitemap genannt, soll genau dieses Umherirren verhindern: Er listet die zugänglichen Seiten und ihre Anordnung auf – sowohl für Besucher als auch für Suchmaschinen.
Brotkrumennavigation, Menü und Suche: drei Orientierungshilfen für eine bessere Navigation
Noch bevor man einen Websiteplan aufruft, nutzt man ganz selbstverständlich verschiedene Orientierungshilfen. Das W3C empfiehlt außerdem, mindestens zwei Möglichkeiten anzubieten, eine Seite zu finden – zum Beispiel ein Menü und ein Suchfeld oder ein Menü und einen Websiteplan.
Die Brotkrumennavigation (die kleinen Links oben auf einer Seite, etwa Startseite > Kategorie > Unterkategorie) zeigt, an welcher Stelle der Seitenhierarchie man sich befindet. Bei einer Website mit mehreren Dutzend Seiten ist sie der schnellste Weg, eine Ebene nach oben zu gelangen, ohne zum Hauptmenü zurückkehren zu müssen.
Das Menü wiederum bietet einen Gesamtüberblick. Ein horizontales Menü eignet sich für eine kleine Website mit fünf oder sechs Bereichen. Sobald die Zahl der Seiten steigt, ist ein Seitenmenü oder ein Mega-Menü übersichtlicher. Die Wahl hängt von der Komplexität der Website ab, nicht von einer allgemeingültigen Regel.
Das Suchfeld ist die direkteste Abkürzung, wenn man weiß, wonach man sucht. In Kombination mit einem Websiteplan deckt es beide Fälle ab: die gezielte Suche und das freie Erkunden. Wie ein Websiteplan konkret aussehen kann, zeigt der Websiteplan von Nos libertés, der die Seiten hierarchisch auflistet.

HTML-Websiteplan oder XML-Sitemap: zwei Dateien mit unterschiedlichen Zwecken
Die Begriffe werden häufig verwechselt. „Websiteplan“ kann zwei ganz unterschiedliche Dinge bezeichnen, und ihre Vermischung erschwert das Verständnis.
Der HTML-Websiteplan für Besucher
Das ist eine in HTML verfasste Seite der Website, die alle zugänglichen Seiten übersichtlich auflistet. Sie enthält anklickbare Links, die nach Bereichen oder Themen geordnet sind. Ihr Nutzen ist unmittelbar: Wenn das Menü nicht ausreicht oder man nicht weiß, welchen Begriff man in die Suche eingeben soll, bietet diese Seite einen Gesamtüberblick.
Häufig findet man sie im Fußbereich unter der Bezeichnung „Websiteplan“. Bei großen Websites – etwa Produktkatalogen oder institutionellen Websites – kann sie in Abschnitte unterteilt sein, damit sie übersichtlich bleibt.
Die XML-Sitemap für Suchmaschinen
Die Datei sitemap.xml wird Besuchern nicht angezeigt. Es handelt sich um eine technische XML-Datei, die den Crawlern von Google oder Bing eine Liste der zu durchsuchenden URLs sowie Metadaten bereitstellt, etwa das Datum der letzten Änderung und die Aktualisierungshäufigkeit. Eine gültige XML-Sitemap garantiert nicht, dass alle aufgeführten Seiten indexiert werden, erleichtert aber deren Auffindbarkeit.
Sie ist erreichbar, indem man /sitemap.xml an die Website-Adresse anhängt. Für Besucher ist die Datei in der Regel nicht direkt nützlich, aber sie bietet eine gute Möglichkeit, schnell zu prüfen, wie viele Seiten eine Website angibt.
Die Struktur einer Website ohne technische Hilfsmittel überprüfen
Um zu verstehen, wie eine Website aufgebaut ist, braucht man nicht immer einen Crawler oder eine SEO-Software. In den meisten Fällen reichen ein paar einfache Schritte.
- Den Fußbereich prüfen: Die meisten Websites platzieren dort einen Link zu ihrem HTML-Websiteplan, ihrem Impressum und ihrer Kontaktseite. Das ist der erste Ort, an dem man nachsehen sollte.
- Die URL /sitemap.xml testen: Hängt man diesen Pfad an die Website-Adresse an, gelangt man entweder zur XML-Datei oder zu einem Sitemap-Index, falls die Website mehrere Sitemaps verwendet – etwa eine pro Sprache oder Inhaltstyp.
- Die Brotkrumennavigation rückwärts nutzen: Klickt man auf einer beliebigen tiefer liegenden Seite auf die einzelnen Ebenen der Brotkrumennavigation, kann man die Seitenhierarchie nach oben verfolgen und die logische Einordnung der Inhalte nachvollziehen.
- Eine „site:“-Suche bei Google starten: Die Suchanfrage site:monsite.fr zeigt die indexierten Seiten an. Das ist zwar kein Websiteplan im eigentlichen Sinn, vermittelt aber einen Eindruck vom Umfang und von der für die Suchmaschine sichtbaren Struktur.

Wenn der Websiteplan nicht ausreicht: die tatsächliche Seitenstruktur testen
Ein Websiteplan kann vorhanden sein, ohne dass die Navigation reibungslos funktioniert. Die Datei listet zwar die Seiten auf, sagt aber nichts über die Logik ihrer Einordnung aus. Haben Kategorien mehrdeutige Namen oder ist ein Inhalt in zwei verschiedenen Bereichen zu finden, ist der Besucher trotzdem unsicher.
Mit Methoden wie dem Card Sorting lässt sich überprüfen, ob Besucher Inhalte genauso gruppieren wie das Team, das die Website gestaltet hat. Eine Gruppe erhält die Aufgabe, Seitentitel nach Themen zu ordnen. Anschließend vergleicht man das Ergebnis mit der bestehenden Seitenhierarchie. Abweichungen zeigen ungünstig benannte Bereiche oder falsch eingeordnete Seiten.
Tree Testing geht noch einen Schritt weiter: Man zeigt ausschließlich die Seitenhierarchie – ohne Design und Menü – und bittet die Teilnehmenden, eine bestimmte Information zu finden. Scheitert die Mehrheit, liegt das Problem an der Struktur und nicht am Layout.
Beide Methoden eignen sich sowohl für eine Unternehmenswebsite als auch für einen Katalog mit mehreren Hundert Seiten. Die Menge der Inhalte beeinflusst die Komplexität, doch das Prinzip bleibt dasselbe: Eine Seite sollte sich dort befinden, wo Besucher sie zu finden erwarten.
Barrierefreiheit und Tastaturnavigation: ein oft übersehener Aspekt
Die Orientierung auf einer Website funktioniert nicht nur über die Augen und die Maus. Das W3C empfiehlt, Links und Schaltflächen visuell erkennbar zu gestalten, die Tab-Reihenfolge an der Tastatur an der logischen Leserichtung auszurichten und die Navigation auf allen Seiten konsistent zu halten.
Wer mit der Tastatur navigiert, bewegt sich mit der Tab-Taste durch die interaktiven Elemente. Ist der HTML-Websiteplan gut strukturiert und sind die Links nach Abschnitten gruppiert, lässt er sich problemlos nutzen. Umgekehrt bremst ein ungeordneter Websiteplan die Navigation mit der Tastatur genauso wie mit der Maus.
Auch Überschriften spielen eine Rolle: Mit Screenreadern kann man von Überschrift zu Überschrift springen und so den Inhalt einer Seite schnell überfliegen. Ein Websiteplan ohne hierarchisch gegliederte Überschriften bietet diesen Vorteil nicht.
Wie übersichtlich ein Websiteplan ist, hängt ebenso von seinem Inhalt wie von seiner technischen Struktur ab. Eine vollständige, aber schlecht organisierte Datei sorgt für genauso viel Frust wie eine Website ganz ohne Websiteplan.



